Einige Informationen zum Schulprogramm der Luise-Henriette-Schule

Zielsetzung    Entwicklung seit 1999     Diskussionsentwurf der Leitziele

 

1. Zielsetzung eines Schulprogramms

Mit Hilfe der Schulprogrammentwicklung will man einen ständigen Diskussionsprozess über Ziele und Ergebnisse von Unterricht und Erziehung erreichen. Aus diesem Diskussionsprozess sollen konkrete Schlussfolgerungen gezogen und entsprechende Maßnahmen ergriffen werden. Dabei erfolgt eine ständige Überprüfung des bisher Erreichten, um das Schulprogramm entsprechend zu verändern. Leitziel ist dabei: die Stärken betonen, die Defizite beseitigen

Auch Berlin hat mit diesem Prozess begonnen und unsere Schule gehört zu den sechs Pilotschulen, die im Bereich der Gymnasien existieren. Damit will auch Berlin auf die wachsende Kritik reagieren, die von innen und außen an den bisherigen Ergebnissen schulischer Bildung geübt werden. Stellvertretend nur zwei Zitate:

 

Der traditionelle Lernbegriff geht wie die Vertreter der Nordrhein westfälischen Bildungskommission in ihrer Denkschrift völlig zu Recht feststellen von einem festen, geschlossenen Wissenskanon und einem auf seine Vermittlung hin organisierten Unterrichtsplan aus. Dieser sei auf Lernergebnisse im Sinne der Reproduktion überprüfbaren Wissens orientiert und vernachlässige den Lernprozess selbst, die Entwicklung von Interessen, den Hinzugewinn von anwendungsbezogenem Wissen, die Zunahme von Handlungskompetenz und die Möglichkeit sozialer Erfahrung

 

(vgl. Bildungskommission NRW 1995, S. 82).

 

 

Kritisiert werden von betrieblicher Seite nicht nur die seit langem beklagten Schwächen in den Bereichen Rechtschreibung und Rechnen, sondern auch und vor allem die unzureichende Ausstattung vieler Schüler/Innen mit zukunftsgerechten Schlüsselqualifikationen. Damit gemeint sind u.a. Qualifikationen wie Selbständigkeit, Eigeninitiative, Flexibilität, Kreativität, Durchhaltevermögen, Selbstkritikfähigkeit, Organisationsfähigkeit, Frustrationstoleranz, Teamfähigkeit, Problemlösungsvermögen, Kommunikationsfähigkeit, Methodenbeherrschung und Verantwortungsbewusstsein.

Die Gründe für den Bedeutungszuwachs dieser extrafunktionalen Qualifikationen liegen vor allem im rasanten Wandel der Technik und der innerbetrieblichen Arbeitsorganisation sowie darin, dass sich das Fachwissen immer schneller verändert und erneuert. Die Halbwertzeit des Fachwissens ist in den letzten Jahrzehnten dramatisch abgesunken, mit der Folge, dass die Berufstätigen ständig umlernen und ihren Wissensstand aktualisieren müssen. Sie müssen sich in immer rascherer Folge neues Fachwissen aneignen und veraltetes Fachwissen aufgeben (»verlernen«). Das verlangt nicht nur entsprechende Methoden der Informationsbeschaffung und Verarbeitung, sondern auch und zugleich ein möglichst ausgeprägtes Maß an Flexibilität, Offenheit, Ausdauer, Zielstrebigkeit, Bereitschaft zur Selbstkritik und Problemlösungsvermögen.

...

So das Fazit von Heinz Mandl und Gabi Reinmann Rothmeier vom Institut für Pädagogische Psychologie und Empirische Pädagogik der Maximilians Universität München

(vgl. Reinmann Rothmeier/Mandl 1997, S. 22).

 

Von daher hat ein Schulprogramm folgende übergreifende Zielsetzungen:

  • Es ist der Versuch, nicht mehr länger nur allgemein zu klagen, sondern pädagogische und organisatorische Veränderungen gezielt anzugehen.
  • Das Schulprogramm ist Rahmen und Instrument für die kontinuierliche, systematische Planungs- und Entwicklungsarbeit an der Schule.
  • Ein Schulprogramm beschreibt damit die pädagogischen Ziele und die daraus abzuleitenden organisatorischen, inhaltlichen und pädagogischen Konsequenzen, wobei der Unterricht ins Zentrum der Schulentwicklung zu stellen ist (Klippert).
  • Damit ist das Schulprogramm ein Entwicklungs- und Steuerungsinstrument für die Weiterentwicklung unserer Schule, wobei:
  • empirisch nachprüfbar Stärken und Schwächen unserer Schule regelmäßig erfasst werden;
    • wir uns in einem gemeinsamen Prozess Klarheit über unsere pädagogischen Ziele als Gymnasium verschaffen;
    • wir unsere pädagogischen Schwerpunkte (Profile) gemeinsam festlegen;
    • wir künftige und konkrete Entwicklungsschritte zur Verbesserung des Schulklimas, der Unterrichts- und Erziehungsarbeit festlegen, transparent machen und Kriterien zur Überprüfung vereinbaren;
    • wir uns der aktuellen Unterrichtskritik und aktuellen Unterrichtsproblemen bezüglich der Realisierung einer gymnasialen Bildung stellen und versuchen, auf veränderte Rahmenbedingungen / Sozialisationsbedingungen konstruktiv zu reagieren;
    • wir in regelmäßigen Abständen unser Schulprogramm fortentwickeln und überprüfen.
  • Damit stellt das Schulprogramm immer nur ein vorläufiges Produkt dar, das jederzeit veränderbar ist. Es ist aber gleichzeitig auch ein konkretes Arbeitsprogramm für einen begrenzten Zeitraum.

Schwerpunkte des Schulprogramms sind:

  • Qualität und Ziele des Unterrichts (schulinterne Ebene)
  • besondere Schwerpunktsetzung sowohl im schulinternen Bereich wie auch des Profils nach außen (öffentliche Ebene)
  • kooperatives und zielorientiertes Handeln aller am Schulleben Beteiligten, wobei die Informationsbasis aller Beteiligten verbreitert, Transparenz und Verbindlichkeit geschaffen werden (die Arbeitsebene).

Nach außen hat ein Schulprogramm die Funktion,

  • unsere Schule bezüglich ihrer Schwerpunkte, Zielsetzungen und Erwartungen an alle Beteiligten nach außen darzustellen.
  • Eltern und Schülern die Möglichkeit zu geben, pädagogische Ziele, Zusammenhänge und pädagogisches Handeln zu durchschauen und daran aktiv mitzuwirken.
  • auf Basis der klaren Profilbildung, der Ausweisung unserer Anforderungen und Ziele Entscheidungsgrundlagen für Eltern, Schüler und zukünftige Kolleginnen und Kollegen zu schaffen bezüglich der Schulwahl bereitzustellen.
  • Kooperationsmöglichkeiten mit außerschulischen Partnern zu schaffen.

2. Entwicklung des Schulprogramms an unserer Schule

Auch an unserer Schule hatte der Prozess der Schulprogrammentwicklung seinen Ausgangspunkt in der Unzufriedenheit von Kolleginnen und Kollegen mit den bisherigen Ergebnissen von Unterricht und Erziehung. Klagen über die mangelnden Voraussetzungen und über die mangelnde Leistungsbereitschaft der Schüler und Schülerinnen führen dabei auf Dauer nicht weiter, sondern Unterricht muss sich den veränderten Voraussetzungen und Anforderungen stellen. So begannen wir schon mit unserer Arbeit, bevor in Berlin offiziell über Schulprogramme gesprochen wurde. Wir informierten uns selbst in anderen Bundesländern sowie im Ausland, um an unserer Schule einen Veränderungsprozess in Gang zu setzen.

Dabei orientierten wir uns an dem folgenden Schema:

 

Im Sommer 1999 erfolgte deshalb eine systematische Bestandsaufnahme der Stärken und Schwächen unserer Schule aus Sicht des Kollegiums, aus Sicht der Eltern und aus Sicht der Schülerinnen und Schüler.

Die Befragung ergab bei allen Gruppen z.B. als eine besondere Stärke unserer Schule das angenehme Schulklima, zeigte aber auch bei Lehrern und Schülern eine Kritik an der Qualität des Unterrichts und der Unterrichtsergebnisse.

Im Rahmen eines Arbeitsprogramms nahmen wir uns folgende Schritte vor:

  • Analyse der Ist-Situation aus der Sicht aller Beteiligten
  • Gemeinsame Planungsphase bezüglich vorzunehmender Veränderungen und eine entsprechende Zielformulierung im Rahmen eines Schulprogramms
  • Realisierung der gefassten Beschlüsse
  • Überprüfung der erreichten Resultate
  • Überprüfung und Veränderung des festgelegten Maßnahme- und Zielkatalogs in regelmäßigen Abständen.

Dabei wurde seit den ersten Studientagen im Jahre 1999 versucht, aus der jeweiligen Analyse von Defiziten sofort erste Veränderungen abzuleiten und diese zu realisieren.

Mittlerweile haben wir als wesentliche Zwischenetappe bei der Erstellung und Realisierung eines Schulprogramms uns über übergreifende Ziele von Unterricht und Erziehung geeinigt, weitere Schritte zur Verbesserung der Qualität von Unterricht eingeleitet und Leitziele formuliert. Diese sollen jetzt mit Eltern und Schülern diskutiert werden. Parallel dazu erfolgt die Erstellung eines ersten Komplettentwurfs für das Schulprogramm sowie die Auswertung der zweiten Schülerbefragung. Das Schulprogramm selbst wird dann nach Verabschiedung durch alle beteiligten Gruppen folgende Unterpunkte enthalten:

1. Leitziele

2. Entwicklungsstand (Stärken und Schwächen) und Ziele (kurzfristige und mittelfristige Ziele)

3. Konkrete Vorhaben zur Zielerreichung, wobei diese ebenfalls zeitlich differenziert werden

4. Aktionsplan zur Umsetzung der Vorhaben mit Konkretisierung der Aufgaben aller Beteiligten

5. Maßnahmen zur Überprüfung und Fortschreibung des Schulprogramms.

Im Anhang fügen wir unseren Diskussionsentwurf bezüglich der Leitziele bei.

Dieter Radde

 

Diskussionsentwurf Leitziele

Wir sind ein demokratisch strukturiertes und leistungsorientiertes Gymnasium. Unser Ziel ist es, stets eine hohe Unterrichtsqualität in allen Fächer zu erreichen.

Präambel:

Die an der Gestaltung von Unterricht und Erziehung beteiligten Gruppen (Schüler, Lehrer, Eltern) streben an, die gemeinsamen Grundsätze umzusetzen (Grundkodex eines sozialen und moralischen Verhaltens). Das geltende Schulprogramm ist für alle beteiligten Gruppen verbindlich, die zuverlässige Erfüllung der übertragenen bzw. selbst übernommenen Aufgaben, die sorgfältige Vorbereitung auf den Unterricht sowie die Entwicklung von Eigeninitiative sind daher selbstverständlich.

 

1.      Merkmale der Unterrichtsqualität

1.0   An unserer Schule sollen Neugier und Wissbegierde in allen Fächern und fächerübergreifend geweckt und gefördert werden.

1.1 Wir streben die Erreichung eines klaren Kanons von Wissen, Fähigkeiten und Einsichten für jedes Fach und fächerübergreifend an. Dies schließt in ausgewählten Bereichen den Erwerb spezieller Kenntnisse und Fertigkeiten ein. Dabei soll der funktionale Charakter von Wissen für übergreifende außerschulische Qualifikationsansprüche ebenso verdeutlicht werden wie die Geschichtlichkeit von Wissen und Kultur, d.h. auch deren Veränderlichkeit im Sinne einer allgemeinen Menschenbildung.

1.2 Dazu erfolgt eine kontinuierliche Steigerung der Analyse- und Transferfähigkeit von Schülerinnen und Schüler ab Klasse 7 mit fächerübergreifender Abstimmung der Methoden und Lernerfolgskontrollen.

1.3 Wir streben dabei den Erwerb zunehmend eigenständiger Arbeits- und Lernformen an, wobei auch Teamfähigkeit trainiert werden soll.

1.4 Angestrebt wird ebenfalls eine fächerübergreifende Progression der Methodenkenntnisse und Kommunikationskompetenz mit dem Ziel einer zunehmenden Aufnahme-, Darstellungs- und Ausdrucksfähigkeit.

1.5 Dies umfasst sowohl die Einbindung neuer Methoden und Medien in den Unterricht als auch die Befähigung zu kritischem Umgang mit allen Medien und Methoden.

1.6 Ziel ist insgesamt die Erreichung der Studierfähigkeit.

 

2. Vermittlung sozialer Kompetenz

Wesentliche Grundsätze und Ziele an unserer Schule sind:

  • Toleranz üben
  • Friedliche Konfliktbewältigung
  • Vermeidung von Diskriminierung
  • Kritische Reflexion des eigenen Handelns
  • Stärkung der Eigen- und Mitverantwortung
  • Respektvoller Umgang miteinander
  • Förderung der Persönlichkeitsentwicklung
  • Eine aktive Werteerziehung entsprechend den in § 1 des Berliner Schulgesetzes niedergelegten demokratischen Grundsätzen, die insbesondere die Ablehnung jeglicher Form von Gewaltherrschaft, die Anerkennung einer grundsätzlichen Gleichberechtigung aller Menschen, den Schutz der Menschenwürde sowie das Eintreten für das friedliche Zusammenleben der Völker umfasst.
  • aktive Umsetzung der vermittelten Werte im schulischen und außerschulischen Alltag. .

3. Entscheidungsstrukturen

Unumgänglich zur Erreichung obiger Ziele ist dabei die Realisierung transparenter und demokratischer Entscheidungsstrukturen auf allen Ebenen, vom Klassen-/Kursverband bis zur Schulleitung unter Einbeziehung aller an der Schule beteiligten Gruppen.

 

4. Außenwirkung

Im Rahmen unseres Schulprogramms sollen die Stärken unserer Schule betont und erweitert werden:

Ausbau der bestehenden partnerschaftlichen, kollegialen Zusammenarbeit, so dass ein angenehmes Schulklima und eine hohe Unterrichtsqualität stets gewährleistet bleiben.

Stärkung und Fortentwicklung des künstlerisch-musischen und sportlichen Schwerpunkts und Ergänzung durch neue Schwerpunkte.

Ergänzung des bestehenden weit gefächerten unterrichtlichen Angebots.